Der (große) Zapfenstreich

Die Briten nennen ihn "tatoo", die Franzosen "Retraite" und für die Deutschen ist es der "Zapfenstreich". In seiner ursprünglichen Bedeutung war der Zapfenstreich das Abendsignal, das die Soldaten auffordert, die Nachtruhe zu beginnen. Der Ursprung des Wortes führt in das Lagerleben des Mittelalters zurück. Die Marketender, die Händler bei der Feldgruppe, mussten jeden Abend bei einem bestimmten Trommelzeichen den Zapfen oder den Spund des Schankfasses streichen, d.h. hineinschlagen, um das Fass zu verrschließen. Das war das unmissverständliche Signal, das Feuer zu löschen und sich auf den Weg in die Zelte zu machen. Die Nachtruhe begann, es durfte nichts mehr "verzapft" werden. Nach einer Verordnung von 1662 galt diese Bestimmung auch für Bürger. Sie durften ebenfalls nach dem Trommelschlag kein Bier mehr ausschenken.

Der Ursprung des "Zapfenstreichs" liegt in der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618-1648). In den Lagergassen wurde zur Sperrstunde durch den Profos - seines Zeichens Quartierrmeister und Strafgewaltiger bei den Landsknechthaufen - mit einem Stab über die Zapfhähne der Weinfässer gestrichen. Danach war es den Marketendern verboten, den Hahn an diesem Abend noch einmal aufzudrehen. Die Landsknechte mussten sich nun umgehend in ihre Quartiere begeben. Noch heute ist der Ausdruck "Zapfenstreich" im militärischen Beereich als Gebot der Heimkehr ins Quartier ein Begriff.

Im Laufe der Zeit wurde es üblich, das Zeichen zur Nachtruhe auch in musikalischer Form zu geben. Der eigentliche "Zapfenstreich" wurde durch das "Locken zum Zapfenstreich" eine Viertelstunde vorher angekündigt. Bei der Kavallerie geschah dies durch Trompetensignale (die "Retraite"), bei der Infanterie durch besondere Spielstücke für Flöte und Trommel.

Das heute übliche Zeremoniell des (Großen) Zapfenstreichs geht auf die Befreiungskriege (1813 - 1815) zurück. Aus dieser Zeit stammt der Brauch, dem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied folgen zu lassen. König Friedrich Wilhelm III befahl unter dem Eindruck eines Brauches in der Russischen Armee im August 1813 auch bei seinen Truppen nach dem Zapfenstreich ein Gebet. Auf dieser Grundlinie (Locken - Zapfenstreich - Gebet) stellte Friedrich Wilhelm Wieprecht (1802 - 1872), der legendäre Wegbereiter deutscher Blas- und Militärmusik, die noch heute gültige Form des (Großen) Zapfenstreiches zusammen. Er erklang auf diese Weise mit 1200 Mitwirkenden erstmalig am 12. Mai 1838 in Berlin als Abschluss eines Großkonzertes zu Ehren des russischen Zaren. Die damals erklungene Spielfolge umriss bereits ein Konzept, das bis zum Jahre 1918 zwar vielerorts variiert wurde, sich aber wie ein roter Faden bis zum heute verbindlichen Ablauf durchzieht.

Der (Große) Zapfenstreich wird immer von einem Spielmannszug und einem Musikkorps gemeinsam ausgeführt. Diese marschieren grundsätzlich unter den Klängen des "Yorckschen Marsches" auf. Nach dem Einnehmen und Ausrichten der Formation erfolgt die Meldung. Musikalisch beginnt der (Große) Zapfenstreich mit dem "Locken zum Zapfennstreich" (Spielmannszug). Es folgt der "Zapfenstreichmarsch" (Spielmannszug und Muusikkorps), die ,,3 Posten des traditionellen Zapfenstreiches der berittenen Truppe" - die "Retraite" - (Musikkorps), das "Zeichen zum Gebet" (Spielmannszug), das "Gebet" (Spielmannszug und Musikkorps), schließlich das "Abschlagen nach dem Gebet" (Spielmannszug) und der "Ruf nach dem Gebet" (Musikkorps). Seit 1922 endet der (Große) Zapfenstreich mit der Nationalhymne. Nach der Nationalhymne erfolgt dann die Abmeldung des (Großen) Zapfenstreiches und der Abmarsch in der Regel unter den Klängen des "Zapfenstreichmarsches ".

Von den Schützenfesten im Rheinland ist der (Große) Zapfenstreich nicht mehr wegzuudenken.