Die Entstehung des Blumenhorns

Wie entstand das Blumenhorn?

Wenn am Schützenfest die "Höhnese" mit ihren prunkvollen Blumenhörnern über die Straßen ziehen, fragen Sie sich vielleicht, wie es zu diesem Brauch kam.

Dieser Brauch kommt vom Neusser Schützenfest und wurde wie so oft im Leben, zufällig entdeckt. Von dort wurde er in die umliegenden Orte kopiert. Horn heißt in der Neusser Mundart "Hohn", demzufolge nennt man den Träger des "Hohns" den "Höhnes". Er ist nicht zu verwechseln mit dem Hornisten aus der Musikkapelle.

Vor dem Jahr 1883 war es in Neuss so üblich, daß in jedem Jägerzug ein Trinkhorn mitgeführt wurde. Es fasste 5 Liter, hatte einen Deckel und wurde meist vom Vereinswirt unentgeltlich mit Bier gefüllt. Da im übrigen das Bier durch Marsch und Witterung nicht schmackhafter und noch weniger kühler wurde, empfahl es sich, das Trinken nicht zu lange hinauszuschieben.

Nach Schilderung des ersten Blumenhornhöhnes, Josef Roseler vom Jägerzug des Gesellenvereins, hat sich die Wandlung vom Trinkhorn zum Blumenhorn folgendermaßen zugetragen.

Im Jahre 1884 beschloß der Jägerzug sich ein eigenes Trinkhorn anzuschaffen. Alle 22 Zugmittglieder sparten bei jeder Zugversammlung jeweils 20 Pfennige und jedes Mädchen der Jünglinge tat 10 Pfennige dazu. Das Geld war zum Schützenfest zusammen, was aber nicht fertig war, war das Trinkhorn, es fehlte noch der Deckel. Nun konnten die Jäger nicht mit einem bierschlabbernden Horn durch die Stadt ziehen. Doch der Hersteller des Horns, der Meister Denecke, wusste Rat: "Behelpt öch diss Kehr on dott e Putschke Blome dren!" Der Höhnes Roseler besorgte einen Blumenstrauß - einen Kleinen, für mehr reichte es nicht - und garnierte ihn "möt en Kookespetz" - mit dem bekannten durchbrochenen Papier, das die Hausfrau unter Kuchen und Torten legt - und fertig war das erste Blumenhorn.

Es ist nicht anzunehmen, daß nun mit einem Schlag alle Jägerzüge ihr Trinkhorn in ein Blumennhorn verwandelten, aber dieses Zufallsereignis machte Schule und fand immer mehr Nachhahmer, wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil man zu der Erkenntnis gekommen war, daß warmgeschaukeltes Bier doch nicht das richtige Labsal für einen Schützen ist.

Der "Höhnes" hat zwar ein Ehrenamt, aber kein leichtes. Mit Stolz trägt er "sein" bis zu 20 kg schweres Blumenhorn über die Straßen und zeigt es den Gästen, Zuschauern und vor allem der amtierenden Majestät. Die Blumenhörner haben sich im Laufe der Zeit zu kunstvoll gebundenen und gesteckten Blumenarrangements, ja hin zu prunkvollen Kunstwerken entwickelt.